Fem*ily. Forum für feministische Familienvisionen - Herbst 2021
Die Veranstaltungen im Überblick
Unsichtbarer Stress und Folgen für Betroffene
mit Laura Fröhlich | Donnerstag | 16.09.2021 | 20 Uhr
Fürsorge hält Familien und unsere Gesellschaft zusammen. Diese wichtige Arbeit führt oft zu einer mentalen Belastung, denn wer sich um Kinder oder zu pflegende Angehörige kümmert, hat selten Feierabend. Im familiären Kontext heißt das, die gesamte Organisation von Haushalt bis Kinderbetreuung im Blick zu haben und endlose To-Do-Listen zu führen. Die mentale Last, „Mental Load“ genannt, betrifft besonders oft als Frauen gelesene Personen und führt neben Überlastung auch zu finanziellen Nachteilen, verhindert Erholung und Selbstfürsorge, raubt Ressourcen für Hobbys und hat massive Auswirkungen auf das Berufsleben. Ein Vortrag mit Analysen und praktischen Tipps für den Alltag.
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Fem*ily 4.0, online - Elternsein heute - Digitale Veranstaltungsreihe
Diesmal kompakt und digital. Anmelden könnt ihr euch bei Lilia Nester, die das ganze mit mir zusammen organisiert hat: nester@landkreisgoettingen.de
Den Programmflyer findet ihr hier.
Diesmal gibt es drei tolle Impuls-Vorträge mit anschließender Diskussion:
Belastete Familien und Pflegende - Ursache, Folgen und Lösungsideen eines Systemfehlers
mit Dr. Sonja Bastin | Dienstag | 28.09.2021 | 20 Uhr
In diesem Vortrag werden die mentalen und ökonomischen Risiken von Familien beleuchtet - vor, während und nach der Pandemie. Dr. Bastin stellt dar, dass die Situation auf eine politisch und gesellschaftlich unterschätzte Krise des Care-Systems zurückgeht. Sie beschreibt, dass die systematische Herabwürdigung der sozialen und pflegenden Tätigkeiten als nicht produktiv und wertschöpfend eine wesentliche Ursache ist. Da als Frauen gelesene Personen diese Tätigkeiten um ein vielfaches häufiger ausüben - beruflich wie privat - , geht diese Herabwürdigung und ihre Folgen zunächst vor allem auf ihre Kosten, langfristig aber auch auf die Kosten von Care-Empfangenden, also von Kindern, Alten, Kranken und der gesamten Gesellschaft. Welche Forderungen Wissenschaftler*innen und Expert*innen aufstellen und wie diese vor allem den Eltern in der Corona-Krise und danach helfen, wird Dr. Bastin in ihrem Vortrag erläutern.
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Reproduktive Gerechtigkeit - Eine Einführung
mit Derya Binışık und Constanze Schwärzer-Dutta | Montag | 04.10.2021 | 20 Uhr
In einer Gesellschaft, die von ungleich verteilten Ressourcen und Diskriminierung geprägt ist, sind reproduktive Rechte nicht für alle zugänglich. Der menschenrechtsbasierte Ansatz der Reproduktiven Gerechtigkeit kommt aus dem Schwarzen Feminismus der USA der 90er Jahre und vereint die Forderung nach reproduktiven Rechten mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und macht die multiplen Formen reproduktiver Unterdrückung von queeren, migrantisierten, rassifizierten, behinderten und prekär lebenden Menschen sichtbar und besprechbar. Gemeinsam schauen wir uns die Geschichte und Gegenwart dieses Ansatzes an, der den Blick öffnet für die Lebensrealitäten und Forderungen von communities, deren Reproduktion und Elternschaft kontrolliert, erschwert oder stigmatisiert wird. Wie lässt sich das Konzept auf unsere Kontexte übertragen und welche neuen Baustellen und Allianzen ergeben sich daraus?
Die Veranstaltungsreihe wird durch das Land Niedersachsen sowie Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. im Rahmen des Projektes "Gleichstellung sichtbar machen - CEDAW in Niedersachechsen" gefördert.