Anlässlich des Unterschriften-Sammelstarts für den Volksentscheid “Deutsche Wohnen & Co enteignen”

Was hat der Wohnungsmarkt mit Familie und Feminismus zu tun?

1.) Gebaut wird für die Kleinfamilie. 3-4 Zimmer sind der Normalfall, während große Wohnungen für große Familienzusammenhänge selten sind. Isolierte Wohnungen sind die Regel, integrierte Gemeinschafträume oder - Flächen die Ausnahme.

2.) Wohnen ist teuer. In den Großstädten explodieren die Mieten, Wohnraum wird zu einer Ware, mit der sich Geld verdienen lässt. Das bedeutet für die, die darin wohnen (wollen) oftmals Verdrängung und gesellschaftliche Spaltung entlang sozialer Linien. Es kann auch bedeuten, dass Menschen, meist FLINTs, familiärer Gewalt ausgesetzt bleiben, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können, um zu gehen.

3.) Der Wohnungsmarkt ist unfair. Die Wohnungsvergabe folgt sehr oft diskriminierenden Auswahlkriterien, ob bewusst oder unbewusst. Das passiert entlang von klassistischen und rassistischen Linien, es passiert auch entlang von Vorstellungen familiärer Normalität. Ein hetero-Ehepaar mit Kindern wird eher ausgewählt, als eine queere Co-Elternkonstellation mit drei Erwachsenen und Kindern.

Der Kampf um bezahlbaren Wohnraum ist also ein wichtiger Baustein feministischer Perspektiven auf Familie!

In Berlin startet heute mit dem Volksbegehren “Deutsche Wohnen & Co enteignen” ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wohnungskonzerne, die mehr als 3000 Wohnungen besitzen, sollen in Gemeingüter überführt werden. Für diesen Schritt braucht es min. 175 000 Unterschriften, also von 7 % der Berliner Wahlberechtigten - in den nächsten vier Monaten 1600 Unterschriften jeden Tag! Auf dieser Grundlage kann dann ein Volksentscheid stattfinden. In ganz Berlin werden hierfür ab heute Unterschriften gesammelt - seid dabei, sagt es weiter!

Alicia Schlender